Als ich gestern am «4th of July» um sechs Uhr in der Früh nach Belmond-Shore lief, traute ich meine Augen nicht. Lastwagengrosse Privatautos parkten am Strand und luden Unmengen von Lebensmitteln ab. Die Fresswaren wurden auf abgesperrten Flächen deponiert, wo sich ein Familienteam schon um den «King-Size-Grill» kümmerte.
Drei bis vier Zelte pro Familie war die Regel. Säcke voller Eis wurden in badewannengrosse Kühlboxen geleert, in denen Cola- und Bierdosen auf den Kälteschock warteten. Und das bei Sonnenaufgang.
Weisse, gelbe und rote Bänder sorgten dafür, dass die Outdoorfamilienidylle nicht von fremden Eindringlingen gestört wurde. Es war Grosskampftag, es war Unabhängigkeitstag.
In Amerika, wo eigentlich immer alles geöffnet ist, kann man am «4th of July» schon einmal vor geschlossenen Türen stehen. Der Kaffeeröster hatte zu meiner Erleichterung offen. Allerdings bereiteten nicht die charmanten Damen das leckere Getränk zu, sondern zwei College-Studenten. Sie haben es gut gemacht, die zwei, aber sehr l a n g s a m.
Tja, kalter Kaffee soll ja bekanntlich … - ach lassen wir das.
Der Abend verlief nicht viel anders als die grosse Patriotensause in der Schweiz - ich schlief ein.
Am «day after» wanderte ich wieder nach Belmond-Shore. Die gestern noch abgesperrten Flächen waren wieder frei. Müll lag überall herum und die wilden Katzen und Hunde erfreuten sich an den stinkenden Speiseresten. Die Patrioten schliefen ihren Kater aus und die Mexikaner räumten den Müll weg. Bei Tagesanbruch soll Amerika ja wieder so erstrahlen, wie man es am Vortag besungen hat. Der Müll weg und die Mexikaner auch.
Auch heute hatte mein Kaffee geöffnet. Der gleiche Student braute meinen Double-Latte und wiederholte das Kunststück vom Vortag - der Kaffee war kalt.
Ich erfreue mich am Sonnenschein und den angenehmen Temperaturen. Das Getränk findet auch kalt den Weg in meinen Bauch und die verkohlten Bagel ebenso.
Auch Amerika darf mal einen Kater haben. Geniesst ihn!
